Aktuelle Mode und der Wandlungsprozess

Die aktuelle Mode konstruiert ein physisches Bild. Dieses ist mit dem Schnitt der Kleider, der Beschaffenheit ihrer Stoffe, ihrer Farbe und dem Sitz der Dekors maßgeblich gekoppelt. Die Umbildung des menschlichen Körpers, seine Verwandlung wird erst massiv durch die Bekleidung ermöglicht. Die Bekleidung unterstützt die Erscheinung oder verändert sie, verstärkt die organische oder mechanische Gesetzmäßigkeit des Körpers oder vermindert sie. Im Verlauf der Jahrhunderte hat der Formenwandel der Mode kontinuierliche Veränderungen im Erscheinungsbild der Menschen verursacht. Zu jeder Zeit hat man den menschlichen Körper in seinen Proportionen dem veränderten Schönheitsideal angepaßt. Dies bedeutet Wandlungen in der Schnittführung, in der Materialauswahl und Farbgestaltung, um so neue Variationen zu gewährleisten. Dieser Wandlungsprozess hat evolutorischen Charakter. So gibt es nirgends absolut neue Kleiderformen, sondern jede scheinbar neue Körperumhüllung knüpft an irgendwelche bekannte Formen an, als deren Abänderung oder Kombination sie sich darstellt. Den Ausgangspunkt für die nun folgenden Überlegungen bildet die Frage, welche Gestaltungsmittel bei der Damenbekleidung zur Verfügung stehen, über deren Variation das modische Erscheinungsbild eines Bekleidungsstücks geändert werden kann. So hat jedes Produkt eine formliche, eine stoffliche und eine farbliche Seite und jedes Produkt setzt sich aus einer spezifischen Kombination dieser drei Gestaltungsmittel zusammen. Auf der Grundlage des Systems der Gestaltungsmittel nach Koppelmann werden sich die hier relevanten Untersuchungen vollziehen, über dieses System der Gestaltungsmittel soll ein wertfreier Zugang zu Gestaltungsprinzipien modischer Kleidung aufgedeckt werden. Im Rahmen dieser Ausführungen erfolgt eine Focussierung auf die originären Mittel Form und Stoff des Bekleidungsstücks, weil sie die dominanten Designelemente der Kleidergestaltung sind. Zusätzlich zu diesen elementaren Gestaltungsmitteln werden Produktteile noch in die Untersuchungen miteinbezogen, weil sie das modische Erscheinungsbild der Kleidungsstücke komplettieren. Produktteile, definiert als konkretisierte Mittelkombinationen, sind den komplexen Mitteln der Produktgestaltung zuzurechnen. Es handelt sich dabei um Teile eines Bekleidungsstücks, die bereits eine materialmäßige, formmäöige und farbliche Komponente aufweisen; die wichtigsten Produktteile an Kleidungsstücken sind Taschen, Knöpfe, Kragen, Gürtel. Des weiteren ist die Dessinierung bzw. das Muster und die Oberfläche des Kleidungsstücks von Interesse.